Conversations about Painting

Conversations about the role of painting in your life. Experiences of participants of the Living Room Project Berlin 2016, – written up by Kerstin Ehmer.

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Als ich das Bild in meine Wohnung gebracht habe, wusste ich lange nicht wohin damit. Es war ein Fremdkörper, den ich im Schlafzimmer zuerst nicht ausgehalten habe. Ich habe mehrere Standorte ausprobiert. Zwischendurch wollte ich es schon zurückbringen. Dann habe ich mich daran gewöhnt.

Meine Mutter mochte Van Gogh. In den Ferien sind wir nach Südfrankreich gefahren und haben die Orte gesucht an denen er seine Staffelei aufgestellt hat. Sie kam aus einem Ort nahe der holländischen Grenze. In unserem Wohnzimmer hing ein Druck mit einem Feld oder Acker, darüber läuft ein Mann und sät. Die Schwester meiner Großmutter war Nonne in einem kleinen Kloster in den Niederlanden. In ihrer Zelle hing derselbe Druck. Sie hatte als Kind beim Spielen mit einem Luftgewehr ihre Schwester verwundet. Sie hat für sie gebetet und Gott versprochen, dass sie Nonne wird, wenn er ihre Schwester überleben lässt. Das hat sie dann auch getan. Als ihr Leben zu Ende ging, musste man den Van Gogh-Druck abhängen. Der Mann darauf hat ihr plötzlich Angst gemacht.

Früher fand ich es vermessen Kunst zu kaufen. Für mich gehörte sie ins Museum, in die Hände von Leuten, die sich auch mit dem kunsthistorischen Diskurs auskennen. Das man Kunst von der Wand oder vom Sockel holen, bezahlen und mit nach Hause nehmen kann, war für mich eine neue Dimension. Durch den Preis, den ich niemals wagen würde zu verhandeln, wird ein Prozess des Überlegens in Gang gesetzt. Brauche ich das Bild wirklich? Wo könnte es hängen? Was wird es mit mir machen? Werde ich mich irgendwann daran sattgesehen haben? Manchmal überlege ich zu lange und jemand anderes hat es in der Zwischenzeit gekauft.

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Mein Beruf führt mich alle paar Jahre in eine andere Stadt, ein anderes Land oder sogar auf einen anderen Kontinent. Meine Bilder und Skulpturen begleiten mich. Sie sind zu meinem Zuhause geworden. Überall erwerbe ich auch Kunst, die mich ab da begleitet und die Vergangenheit mitnimmt zur nächsten Station. Die Bilder bleiben, während die Wände hinter ihnen vorüber ziehen. Die meisten meiner Gäste kenne ich also noch nicht sehr gut. Die Bilder helfen uns miteinander ins Gespräch zu kommen.

Full texts in the Living Room Project Berlin 2016 book.

EHMER/WIJNVOORD/NAGEL for KRAATZ

 

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